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Montag 15. Oktober 2018,  im Aposto

Internationale Verhandlungen im Kontext der Unverbindlichkeit“

Prof. Dr. Erwin Amann

Lehrstuhl für Mikroökonomik, Universität Duisburg-Essen

Ein Vortrag zu hochaktuellem Thema. Es ging um Kooperation, konkreter darum, ob man / wann man überhaupt kooperieren soll. Droht nicht Betrug durch die Partner? Wie kann man sich davor schützen? Ein Thema überall im Zusammenleben, in unserer Gesellschaft, gerade auch bei den Klimaverhandlungen. Viele Staaten halten sich nicht an gegebene Zusagen. Der Evolutionsbiologe Prof. Bornberg-Bauer stellte den Redner vor und erinnerte daran, dass Kooperation auch in der Biologie, speziell in der Soziobiologie, ein wichtiges Phänomen ist. In humorvoller Weise präsentierte er das Gefangenendilemma als gutes Beispiel dafür, dass Kooperation oft nur eine der möglichen Verhaltensweisen ist. Prof. Amann knüpfte daran an, holte die Zuhörer dann mit einigen Schätzfragen zu den Klimaverhandlungen in die Thematik seines Vortrags und zeigte die Möglichkeiten der Spieltheorie für solche Verhandlungen aber auch für andere Entscheidungen auf. U. a. machte er deutlich, dass eine konsequente Nutzung geeigneter Werkzeuge wie der Emissionszertifikate, aber mit dynamischer Anpassung und dann individuell auf die Teilnehmer (die Länder) zugeschnitten, zu gewünschten Lösungen führen kann, helfen kann, die Unverbindlichkeit solcher Verhandlungen zu beheben. Zwischenfragen und eine rege, anhaltende Diskussion zeigten das große Interesse. Ein lohnender Abend für alle in angenehmem Ambiente, ein guter Start im Aposto.

Das war der Ankündigungstext: Gerade aktuell sieht man wieder, wie wenig internationale Abkommen Wert sind,  solange es keine supranationale Institution gibt, welche die Einhaltung gegebenenfalls auch mit Sanktionen durchsetzt. Die größte Schwäche etwa internationaler Klimaabkommen ist, dass sie statisch sind und auf Verbindlichkeit vertrauen, obwohl sie keinerlei Anreize implementieren. Die Spieltheorie bietet die Methodik, sich mit Glaubwürdigkeit und Anreizwirkungen auseinanderzusetzen und kann damit grundsätzlich neue Ansätze entwickeln, selbst wenn keine übergeordneten Instanzen existieren, verbindliche Absprachen durchzusetzen.

Moderation: Prof. Dr. Erich Bornberg-Bauer, Inst. f. Evolution u. Biodiversität, WWU Münster

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Oktober 2015 – Oktober 2018
Drei Jahre Science-Pub-Münster
Drei Jahre Spitzen-Referentinnen und -Referenten,    Drei Jahre packende Themen 
Drei Jahre im Café IDÉAL

Ein großer Dank den Rednerinnen und Redner! Ihr Enthusiasmus, ihre Begeisterung waren ansteckend, sind übergesprungen – noch mal nachzulesen im Archiv dieser Homepage. Ganz herzlicher Dank geht an das Café IDÉAL, an Erkan Ular und sein Team: immer engagiert, freundlich, auch wenn’s mal übervoll war, wenn’s Sonderwünsche gab bei Wein oder Flammkuchen, wenn die Stühle mal knapp wurden, wenn’s galt, technische Probleme rasch zu lösen – es hat immer geklappt, unaufgeregt, humorvoll und herzlich, das Science-Pub-Publikum hat sich wohl gefühlt. Allein die Atmosphäre lud immer zum nächsten Mal ein – das IDÉAL hat was!

Trotzdem, auch wenn’s nicht leicht fällt, der Science-Pub-Münster zieht mit dem Oktober 2018 um ins Aposto, Alter Steinweg 21 in Münster. Es gibt viel Platz da, das Aposto-Team freut sich auf den Science-Pub und das Programm kann sich auch wieder sehen lassen; die ersten Veranstaltungen sind hier auf der Homepage unter „Programm“ zu finden. Wer möchte und nicht schon dabei ist, schicke eine Email an science-pub@science-pub-muenster.de mit der Bitte, über die Veranstaltungen des Science-Pub-Münster informiert zu werden, und bitte mit der Einverständniserklärung, dass dazu seine / ihre Email-Adresse (sonst nichts) gespeichert wird; läßt sich natürlich jederzeit widerrufen.


Montag, 16. Juli 2018

Virtuelle Realität und wie unser Körper die Wahrnehmung gestaltet

Dr. Eckart Zimmermann

Biologische Psychologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Ein gelungener Science-Pub war das wieder im Café IDÈAL. Gefüllt bis auf den letzten Stuhl verfolgten einige Gäste den Vortrag sogar von draußen. Aus Düsseldorf war Dr. Eckart Zimmermann gekommen, Schüler des Münsteraner Psychologen Prof. Lappe, der sich den Vortrag nicht entgehen ließ. Zimmermann sei ein herausragender junger Wissenschaftler, betonte Neurobiologe Dr. Peter Blaesse in seiner Einführung. So sei es eine große Auszeichnung, den renommierten ERC Starting Grant des European Research Councils erhalten zu haben. Blaesse stellte auch fest: „Der Science-Pub heute passt perfekt zur Eröffnung der Sonderausstellung ‚Das Gehirn‘ des LWL-Naturkundemuseums“.

Im Vortrag erklärte Dr. Zimmermann, wie unsere Wahrnehmung über die verschiedenen Sinne und dabei auch durch die Propriorezeption körperlicher Aktionen begründet bzw. beeinflusst wird. Die Rolle der Sinne sei dabei durchaus hierarchisch zu sehen. So gelinge es auch, über die nachfolgende Verarbeitung der Reize im Gehirn und einer dort vorweggenommenen Aktionsvermutung, die Wahrnehmung zu täuschen. In einer Pause versuchten zwei Gäste mithilfe einer Virtual-Reality-Brille, „ihren Körper zu verlassen“, angesichts einer unruhigen Umgebung allerdings mit eingeschränktem Erfolg (später dann, nach dem Vortrag konnten einige diese Erfahrung tatsächlich machen, hatten also das Gefühl, in ein virtuelles Double verortet zu sein). Die Diskussion nach dem Vortrag war selbst für den Science-Pub ungewöhnlich lebendig, wobei auch weitere Gesichtspunkte zur Sprache kamen. Es war auch für den Referenten beeindruckend, welch erstaunliches Wissen einige Zuhörer zeigten.

Die Moderation hatte Dr. Peter Blaesse, Institut für Physiologie I der WWU-Münster

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Montag, 18. Juni 2018

Moderne Verhaltensgenetik – Von der Ameise zum Menschen

Prof. Dr. Jürgen Gadau

Institut für Evolution und Biodiversität, WWU Münster

Claudia Fricke begrüßt die Runde und stellt den Referenten vor. Weit herum gekommen, an vielen Orten der Welt gelehrt und geforscht. Wir haben wieder einen echten Experten da, einen führenden Myrmekologen und Evolutionsbiologen. 

Sein Thema „Moderne Verhaltensgenetik – Von der Ameise zum Menschen“ verspricht neue Einblicke darin, ob und wie Verhalten vererbt wird. Das Prinzip erklärt er schnell, trotz der komplexen Zusammenhänge. Immer spielt auch die Umwelt des Individuums eine Rolle, betont er. So entwickeln sich z.B. aus zwei winzigen Ameisenlarven – genetisch gleichen Schwestern – entweder eine kleine Arbeiterin oder eine mächtige Königin, über hundertmal größer als ihre Schwester, die flinke Arbeiterin. Den Unterschied macht ihre Ernährung während der Entwicklung aus und wie sie von den Pflegerinnen versorgt wird. Beide haben die genetische Ausstattung für eine Arbeiterin wie für eine Königin – ihr Schicksal wurde von den Pflege-Arbeiterinnen bestimmt.

Auch beim Menschen wirken die Gene auf dem Hintergrund der Umgebung – der gegebenen Kondition des Individuums wie der Umwelt. Auch beim Menschen haben Ernährung, das Verhalten der Bezugspersonen und andere Faktoren wichtige Funktionen bei der Ausprägung der Gene.

Prof. Gadau erklärt genetische und andere Methoden, gibt Einblicke in die Forschungsansätze, erklärt, warum Ameisen eben geeignetere Versuchsorganismen sind als höhere Säugetiere, besonders natürlich als der Mensch. Auch bei den Ameisen gibts, klar, Verhaltensunterschiede, die zunächst rätselhaft scheinen. Warum sind z.B. Königinnen der californischen Ernteameise (Pogonomyrmex californica) meist aggressiv (gegen andere Königinnen), in manchen Fällen verhalten sie sich aber kooperativ zueinander? In letzteren Fällen kann es viele Königinnen in einer Kolonie geben, sogar Nicht-Verwandte. Auch hier können (regionale) Umwelteinflüsse die Erklärung geben. Für mehr Information sei auf die Arbeiten der Gruppe von Jürgen Gadau verwiesen (s. die Homepage des Instituts für Evolution und der WWU). Viel Applaus zum Schluss und kleine Gruppen haben noch lange weiter diskutiert.

Die Moderation hatte Dr. Claudia Fricke, Heisenberg Fellow, IEB, WWU-Münster

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Montag, 19. März 2018

Als die Erde grün wurde – Momentaufnahmen eines frühen terrestrischen Ökosystems

Prof. Dr. Hans Kerp

Paläobotanik, WWU

Hans Kerp wird den Science-Pub mitnehmen in die Zeit vor 410 Millionen Jahren. Die Besiedlung der Festländer ist eines der wichtigsten Ereignisse der Erdgeschichte. In der Nähe von Rhynie (Schottland) ist eines der frühesten terrestrischen Ökosysteme überliefert. Der Rhynie Chert stellt tatsächlich das älteste, nahezu komplett überlieferte festländische fossile Ökosystem dar. In dem alten Gestein sind zahlreiche Pflanzen- und Tierreste erhalten, wobei alle zellulären Details und manchmal sogar noch Weichteile überliefert sind. Lebenszyklen und Wechselbeziehungen zwischen Pilzen, Pflanzen, Tieren und ihrem abiotischen Umfeld können häufig bis ins kleinste Detail rekonstruiert werden.

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Montag, 19. Februar 2018

Spitzbergen und Mars – Feldarbeit, Fernerkundung und mehr

Prof. Dr. Harald Hiesinger

Institut für Planetologie, WWU-Münster

Wie vorbereiten auf eine Mars-Expedition? Das war die Ausgangsfrage von Harald Hiesinger. Er nahm das Science-Pub-Publikum dazu mit nach Spitzbergen. Die Oberfläche des Mars ist heute eine im Durchschnitt -60°C kalte Eiswüste. Hochauflösende Bilder der Marsoberfläche mit bis zu 25 cm räumlicher Auflösung lassen uns die Geologie dieses Planeten im Detail studieren. So deuten z.B. zahlreiche morphologische Strukturen darauf hin, dass der Mars einen Permafrostboden – ähnlich jenem der Polargebiete der Erde – besitzt. Um die Strukturen auf dem Mars richtig interpretieren und die verantwortlichen Prozesse identifizieren zu können, ist es notwendig Feldarbeit in polaren Gebieten der Erde zu betreiben. Der Vortrag hat Gründe und Details der „Analogiestudien“ in Spitzbergen vorgestellt sowie Einblicke in die spannenden Forschungsaufenthalte dort gegeben.

Die Moderation hatte Prof. Dr. Harald Strauß, Inst. f. Geologie und Paläontologie, WWU-Münster

Mehr Info auch unter: https://www.uni-muenster.de/Planetology/ifp/research/geologischeplanetologie.html

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Montag, 15. Januar 2018

Evolution unserer Genome: Von extrem bescheidenen Anfängen zu „Milliardenprojekten“.

Prof. Dr. Jürgen Brosius

Institut für Experimentelle Pathologie, WWU-Münster

Genau wie Sprache evolviert unsere DNA (also unser Genom) unter ständiger Veränderung – nur nicht so schnell. Wie die Sprache ist unser Genom beginnend mit einfachen Molekülen (Laute / Worte) zunehmend komplexer geworden. Anderes als die Sprache tragen – zumindest die meisten Vielzeller nicht-funktionale DNA als Ballast mit sicher herum und geben diese an kommende Generationen weiter. Die Zuhörer sind zu einer genomischen Zeitreise von etwa 3 – 4 Milliarden Jahren eingeladen, wobei auch Laborexperimente vorgestellt werden, die die Evolution eindeutig beweisen.

Gene hat jeder. Wird ihre Information gebraucht, wird sie von der DNA umgeschrieben in ein RNA-Molekül. Die RNA wird dann übersetzt in ein Protein – dieser Informationsfluß wurde als Zentrales Dogma der Molekularbiologie formuliert (von F. Crick). Inzwischen ist klar, die Verhältnisse sind erheblich komplexer – und die RNA hat vielfältige Funktionen. Selbst das Zentrale Dogma musste umgeschrieben werden, und das geht auch auf die Forschung von Jürgen Brosius zurück. Wir haben da wieder einen echten Crack in den Science Pub geholt. Wohl kaum jemand könnte die Evolution der Genome und ihrer Funktionsweise, aber auch die Geschichte ihrer Erforschung besser darstellen als er. Und keine Angst, er ist nicht abgehoben, spricht verständlich – und wetten, dass er mit dem Fahrrad kommt?

s.a.:    https://www.medizin.uni-muenster.de/zmbe/die-institute-des-zmbe/inst-fuer-experimentelle-pathologie/

Moderation: Prof. Dr. Hans-Dieter Görtz

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Montag, 11. Dezember 2017

Placebos und Doppelblindheit – Neue Medikamente Entwickeln, aber wie?

Dr. Burkhard Breuer

Proinnovera GmbH, Münster

Von den ersten Symptomen eines Schnupfens bis hin zur Linderung der Beschwerden vergehen heute oft nur Minuten. Wirksame Medikamente bringen hier schnell Erfolg. Das gilt für Erkältungen und viele andere Indikationen wie Bluthochdruck, Diabetes, Schmerzen u.a.

Medikamente zu entwickeln, die sowohl wirksam als auch sicher sein müssen, dauert ein Vielfaches länger als der Erwerb. 8 – 12 Jahre Entwicklungszeit sind keine Seltenheit. Aber warum dauert die Entwicklung so lange? Warum sind neue Medikamente so teuer? Wozu gibt es so viele und so ähnliche Medikamente? Was macht überhaupt die Entwicklung von Medikamenten aus? Zu solchen Fragen soll der Vortrag mehr Klarheit bringen.

Die Moderation hatte Prof. Dr. Hans-Dieter Görtz

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Montag 20. November 2017

Genetically Engineered Machines, zweite Schöpfung, Biohacking. Ein ethischer Blick auf das Genome Editing bei nicht-menschlichen Organismen.

PD Dr. Joachim Boldt

Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Regen in Münster – aber beste Stimmung im IDÈAL und ein lebendiger Vortrag. Wie weit dürfen wir gehn in der synthetischen Biologie? Und wer darf so etwas überhaupt tun? Was ist der Unterschied zwischen „safety“ und „security“? Die Diskussion ging dann lange über den Vortrag hinaus, schließlich noch in kleinen Gruppen, die Tische wurden schon wieder zurecht gerückt – ja klar, ein Glas Wein gab’s immer noch oder ein Bier. Und Joachim Boldt war bis ganz zuletzt dabei.

Hier ist noch einmal der Ankündigungstext: Forscher implantieren ganze, synthetisch hergestellte Genome in Bakterien, genetische Veränderungen an zum Beispiel Mücken wertden mit einem Turbo versehen, so dass sie innerhalb kürzester Zeit ganze Populationen erfassen, Biohacker hacken Gene so wie Computerhacker Netzwerke hacken. Wollen wir das alles? Wie weit kann und soll die gentechnische Nutzbarmachung der Natur reichen? Wo liegen Chancen, wo Risiken des Genome Editing bei nicht-menschlichen Organismen? Wie können wir als Gesellschaft die Entwicklung des Genome Editing begleiten und lenken? Um diese Fragen aus Bioethik und Technikfolgenabschätzung soll es gehen.

Die Moderation hatte Prof. Dr. Martin Wiemann

Mehr Info: www.igm.uni-freiburg.de/Mitarbeiter/mitarbeiter_boldt

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Montag, 16. Oktober 2017

Vom Burgunderblut im Zürichsee und anderen giftigen Algenblüten‘

PD Dr. Thomas Posch,

Botanisches Institut, Limnologische Station, Universität Zürich

Wieder ein gelungener Science-Pub und ein schöner Abend im IDÈAL Thomas Posch hat die Störungen des Ökosystems im Zürichsee durch die starke Erwärmung erklärt. Als eine direkte Folge, die abgeschwächte bzw. ausbleibender Wasserzirkulation, bleibt die Nährstoffrekrutierung aus tiefen Schichten aus. Das bringt das Ökosystem durcheinander, führt auch zum Auftreten toxischer Cyanobakterien – eben der „Burgunderblutalge“ Planktotrix. Wer jetzt denkt, das Übel wäre durch Düngung zu beheben, macht aber einen gewaltigen Fehler .. .. . Dr. Bettina Sonntag vom Forschungsinstitut Mondsee hat humorvoll moderiert. Eifrige Nachfragen und Diskussionsbemerkungen zeigten, dass Thema und Vortrag die Interessen der Zuhörer getroffen haben. Wer weitere Infos sucht, sei auf die Homepage von Dr. Posch verwiesen:

http://www.botinst.uzh.ch/en/research/limnology/posch/research.html

Der Ankündigungstext: Wir erleben derzeit einen rasanten Anstieg der Lufttemperaturen. Besonders im Alpenraum werden alle Temperaturrekorde aus Neue übertroffen und auch die Oberflächengewässer reagieren entsprechend. Dies mag Badende freuen, doch welchen Einfluß haben die Klimaeffekte auf die jahreszeitliche Dynamik der Ökosysteme (Lebensgemeinschaften ?) der Seen? Wieso beobachtet man neuerdings Nährstoffmängel und sinkende Fischerträge auch in grossen Seen? Warum treten immer öfter giftige Algenblüten (z.B. die Burgunderblutalgen) in Gewässern auf, die über Jahrzehnte als an sich saniert gegolten haben? Wie reagieren Seen auf giftige Algenblüten und welche Konsequenzen hat dies für die Nutzung der Gewässer?

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Montag, 17. Juli 2017

Prof. Dr. Harald Giessen

4. Physikalisches Institut, Universität Stuttgart

„3D-Druck von komplexen Mikrooptiken   –   vom künstlichen Adlerauge zum kleinsten Mikroskopobjektiv der Welt“

Ein lebendiger Abend, die Begeisterung des Referenten an seiner Thematik sprang gleich über: Harald Giessen erklärte zunächst einige Grundlagen, wies schon zu Beginn auf mögliche Anwendungen hin. Sofort wurde erkennbar, welchen immensen Gewinn winzige Linsensysteme bringen. Kaum fassbar dann, was die Stuttgarter Physiker schon erreicht haben und welche Ziele sie haben. Näheres ist auf der Homepage des 4. Physikalischen Instituts der Univ. Stuttgart zu finden.

http://www.pi4.uni-stuttgart.de/home

Noch einmal der Ankündigungstext: Die Mikrooptik hat eine ganze Reihe von wichtigen Anwendungsbereichen – man denke nur an Miniatur-Endoskope, die aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken sind, aber auch an Strahlformungs-Optiken vor Laserdioden. 3D Druck mittels Femtosekunden-Laser und Zwei-Photonenabsorption versetzt uns seit kurzem in die Lage, auch optische Bauelemente direkt nach dem Design am Computer zu drucken, mit einer Auflösung besser als 100 nm und einer hohen Genauigkeit und Reproduzierbarkeit. Der Vortrag stellt erste Ergebnisse vor und diskutiert die verschiedenen Möglichkeiten und Perspektiven. Triplett-Mikroskopobjektive von nur 100 µm Durchmesser, die hervorragende korrigierte Abbildungseigenschaften haben und in die Kanüle einer Spritze passen, werden mit dieser neuen Technologie möglich.

Die Moderation hatte: Dr. Claudia Fricke, IEB, WWU-Münster

 

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Montag, 19. Juni 2017

Wissenschaftliches Tauchen – Expeditionen in die aquatische Biodiversität“

Prof. Dr. Franz Brümmer                                                                                        Institut für Biomaterialien und biomolekulare Systeme, Universität Stuttgart, und Präsident des Verbands Deutscher Sporttaucher e.V.

trotz über 30° war das IDÉAL gut besucht. Es lohnte sich denn auch, Franz Brümmer in die Unterwasserwelt zu folgen. Er zeigte nicht nur faszinierende Bild aus Meer und Süßwasser, machte vielmehr deutlich, welche Aufgaben das Wissenschaftliche Tauchen hat, um die Biozönosen dort zu verstehen, den Einfluss von Neobiota rechtzeitig zu erkennen und wo möglich Gegenmaßnahmen zu erarbeiten. Auch Erklärungen technischer Details kamen nicht zu kurz und auch das Rätsel des blutenden (Alat-)Sees, eines der Lieblingsgewässer von Prof. Brümmer. Oft, auch das wurde deutlich, holen sich die Wissenschaftler Hilfe bei Sporttauchern; solche Zusammenarbeiten tragen auch zum Verständnis von Schutzmaßnahmen bei, notwendig, um die empfindlichen Lebensräume unter Wasser zu bewahren.

Die Moderation hatte H.-D. Görtz
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15. Mai 2017

„Libellen in NRW: Diversität &  Dynamik – Gefährdung & Schutz“

Dipl.-Biol. Klaus-Jürgen Conze   LökPlan GbR, Essen

  in lockerer Atmosphäre hat K.-J. Conze die Zuhörer mit seinem angenehmen Erzählstil über die einzigartige Biologie der Libellen aufgeklärt. Als ausgewiesener Experte konnte er nicht nur mit Besonderheiten zur Besiedlung von abgelegenen Lebensräumen aufwarten, sondern hat auch über ungewöhnliche Verbreitungsstrategien rund um den Globus berichtet. Ein wirklich gelungener Vortragsabend. Auch der Hinweis auf neu erschienene Verbreitungskarten der Libellen in NRW war interessant für Naturfreunde. Weitere Infos unter: www.ak-libellen-nrw.de/

Nochmal der Ankündigungstext:        Luftakrobaten mit brillianten Farben – 73 Libellenarten gibt es in NRW. Staunen Sie im Science Pub über die Vielfalt. Immer noch ist die Forschung an Libellen für Überraschungen gut. Heute sehen wir bei Libellen, ja bei fast allen Insekten eine ambivalente Entwicklung. Natur- und Umweltschutz wie z. B. Renaturierungsmaßnahmen tragen Früchte. Viele Populationen haben sich erholt. Gleichzeitig werden unsere Insekten durch Flächenverbrauch, Nährstoffeintrag und anderes bedroht. Faunistische Beobachtung und ökologische Analysen bleiben Daueraufgaben im Artenschutz, um allgemeine Abwehrmaßnahmen wie die Beschränkung des Biozideinsatzes zu definieren.

Die Moderation hatte Prof. Dr. Martin Wiemann
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 20. März 2017

    Prof. Dr. Christine Thomas, Institut für Geophysik, WWU-Münster

     „Warum bebt die Erde“

In einem lebendigen Vortrag hat die Referentin dem Publikum im Café IDÈAL jede Menge Erklärungen zur Entstehung, Erfassung und Aussagekraft der verschiedenen Erdbebenwellen gegeben. Was geht in unserer Erde vor und wie wirkt es sich aus? Den etwas verschmitzt-trockenen Hinweis des Moderators Peter Blaesse, sie habe den Vortrag schon in der Kinderuni gehalten (das führte zum ersten großen Lacher), relativierte Frau Thomas humorvoll – es sei nicht ganz derselbe Vortrag. Mit dem Eingangsquiz – ach ja, auch noch ein Fußball-Impakt – hatte sich das Publikum dann endgültig warm gelaufen. Immer wieder gab es während des Vortrags mal erstaunte, mal hilfesuchende Zwischenfragen, verdutzte Einwände, und darauf dann erfreut-ermunternde Reaktionen von Frau Thomas, die nicht frontal vortrug, eher mittendrin stand. Hinterher schloss sich eine lebendige Diskussion an: Ist denn die Richterskala (Gibt’s die noch?) wirklich nach oben offen? Wie stark könnten denn Erdbeben werden? Usw. Die eine oder andere „knifflige“ Frage gab Prof. Thomas geschickt an (verdutzte) Kollegen im Auditorium weiter – science-pub halt. Informativ war’s, Spaß hat’s gemacht. Knuffig voll war’s auch wieder.

Hier nochmal der Ankündigungstext: „Warum bebt die Erde?“ Das fragen sich auch die Menschen im Gebiet um L’Aquila in Mittelitalien. Viele haben Angst vor weiteren Erschütterungen, nicht wenige haben alles verloren bei den jüngsten Beben. Hätte man das nicht vorhersagen können? Kommt die Erde nicht zur Ruhe? Warum gibt es eigentlich Erdbeben und was sagen diese über Prozesse in der Erde aus? Können alle Beben Tsunamis auslösen? Hat das Erdinnere etwas mit den Beben zu tun und kann man die Prozesse im Erdinneren beeinflussen? Viele Fragen über ein Objekt, bei dem wir bisher nur an der Kruste kratzen können – kann die Beobachtung von Erdbebenwellen helfen, die Erde und ihre Prozesse zu verstehen?

Die Geophysikerin Christine Thomas ist Expertin. Sie untersucht mit ihrem Team seismische Vorgänge an vielen Orten der Erde und kann auf solche Fragen Antworten geben.

Die Moderation hatte Dr. Peter Blaesse

Mehr Info auch über die Homepage des                                                                                       Instituts für Geophysik:          http://www.uni-muenster.de/Physik.GP/Forschung/index.html

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Mo. 20. Februar 2017

   Prof. Dr. Stephan Ludwig          Institut für Molekulare Virologie, WWU Münster

Die Virusgrippe  –   Pandemische Bedrohung oder Panikmache?“

Proppenvoll war das IDÈAL schon eine halbe Stunde vor Beginn, die Stimmung spitze, man kennt sich – die „Stamm-Kundschaft“ ist längst da, man kennt die freundlich-geschäftige Bedienung des IDÈAL, wird selbst erkannt, begrüßt, flaxt, dazu unerwartete „Überraschungsgäste“, weitere Stühle werden herein geholt. Trubel, die Lautsprecheranlage muss noch eingestellt werden, auch hinter der Theke brummt der Bär, der Referent wird schon belagert  –  Science-Pub-Münster!

Bernd Tenbergen stellt Prof. Ludwig vor, kurz die Stationen seines (wissensch.) Werdegangs. Auch Prorektor für Forschung war er lange an der WWU-Münster. Der Vortrag lebendig, spannend, Hintergründe, Historisches, Erklärungen – Wissenschaft verständlich gemacht. Was sind die Unterschiede zwischen Virusgrippe und grippalem Infekt? Gefährlich ist sie, die saisonale Grippe und dann, noch mehr, die Epidemien. Impfen ist angesagt! Auch wenn – nicht nur von Prof. Ludwig und seinem Institut – an neuen Therapiekonzepten gearbeitet wird. Die infizierten Zellen werden ins Blickfeld gerückt, da könnten die Viren sich verändern wie sie wollen, sie werden in den Zielzellen erwischt. Solche und weitere Infos und Erkenntnisse wurden auch in der lebhaften Diskussion bearbeitet. Hinterher wurde er wieder umlagert, der Referent, und begeistert gelobt.

Nochmal der Ankündigungstext: Die Virusgrippe (Influenza) gilt immer noch als eine der großen Seuchen unserer Zeit. Neben jährlichen Grippeepidemien gibt es immer wieder weltweite Seuchenzüge, sogenannte Pandemien, die im letzten Jahrhundert Millionen von Menschenleben gekostet haben. In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit ist die letzte Influenza Pandemie von 2009 allerdings recht mild verlaufen. Dies wirft viel Fragen auf: Wie gefährlich ist die Influenza eigentlich wirklich? Welche Gefahr geht von den sogenannten Vogelgrippeviren wie H5N1 oder H5N8 aus? Sind wir gut vorbereitet auf eine neue Pandemie? Kann ich mich gegen Grippe schützen? Was tut sich in der Medikamententwicklung gegen die Grippe?

Und nochmal die Homepage des Instituts für Molekulare Virologie der WWU:

https://campus.uni-muenster.de/zmbe/die-institute-des-zmbe/inst-fuer-molekulare-virologie/

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Mo. 16. Januar 2017
„Orientierung in virtueller Realität: Wie real ist virtuell?“
Prof. Dr. Markus Lappe
Institut für Psychologie, WWU Münster

Das war ein faszinierender Abend, mit Professor Lappe einzutauchen in die virtuelle Welt. Bis auf den letzten Platz war das IDÈAL gefüllt, das Publikum entspannt, dabei vom Vortrag gefesselt –  eben Science-Pub-Atmosphäre. Der renommierte Wahrnehmungspsychologe Markus Lappe zeigte, wie wir uns zurecht finden mit Augen, Ohren und anderen Sinnen, auch mit dem Gleichgewichtssinn. Ganz nebenbei gab es Informationen zur Funktionsweise unserer Sinnesorgane. Nicht nur bei der virtuellen Achterbahnfahrt fragten sich die Anwesenden: wo ist die Grenze des realen Lebens. Schon im Virtuellen haben wir Ängste, erschrecken, haben Höhenangst, werden gar von unseren Sinnen getäuscht. Trotzdem erstaunlich zu erfahren, dass die Erfahrungen in der virtuellen Wert nun auch in Therapie und Lernsituationen genutzt werden.

Der Ankündigungstext:             Virtual Reality ist der neue Hype auf dem Spielemarkt. Mit Datenbrillen werden Spieler in die Lage versetzt, sich in einer simulierten Welt real bewegen zu können. Man fühlt sich “immersiv” und “präsent” in einer idealen Illusion. Die Technik ist weit fortgeschritten, aber welche physiologischen und psychologischen Eigenschaften des Spielers werden dabei ausgenutzt, um die virtuelle Situation real erscheinen zu lassen? Der Schlüssel dazu liegt in den Eigenschaften der menschlichen Wahrnehmung und den Möglichkeiten der Interaktion mit der (virtuellen) Welt.

Mehr Infos über die Homepage von Prof. Lappe

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Mo, 21. November 2016

Evolution der Kooperation – Verwandtschaftliche Beziehungen, Handel und Erpressung in der Welt der Bakterien, Pflanzen und Tiere

Peter Hammerstein, Professor für organismische Evolution am Institute for Theoretical Biology der Humboldt-Universität zu Berlin

Das IDÉAL war schon eine halbe Stunde vor Beginn fast „dicht“. Bei dem Thema und dem Referenten waren nicht nur die Stammkunden des Science-Pub-Münster gekommen. Wer es noch nicht gewußt hatte, lernte an diesem Abend schnell, dass Kooperation große Vorteile bieten kann. Peter Hammerstein brachte aber auch viele Beispiele dafür, dass viele in der Natur die Früchte der Kooperation zu ernten versuchen, ohne selbst große Gegenleistung zu erbringen. Auch eigene Erfahrungen In studentischen Wohngemeinschaft wurden zitiert. Jeder will ja gern die Vorteile einer gemeinschaftlich betriebenen Küche nutzen. Der Gemeinschaftssinn lässt aber schnell nach, wenn gespült oder aufgeräumt werden soll. Probleme dieser Art sind seit mehr als hundert Jahren unter dem Begriff „Tragedy of the Commons“ (Tragödie des Allgemeinguts) beschrieben worden. Im Prinzip tritt diese Tragödie in der Welt der Lebewesen vielfach – sogar bei Bakterien – auf und es wird zurzeit heftig diskutiert, wie Organismen es schaffen, dieser Tragödie zu entkommen. Am Beispiel des bakteriellen Zahnbelags (Placque) lässt sich etwa zeigen, warum Bakterien den studentischen Wohngemeinschaften in Bezug auf den Umgang mit der Tragedy of the Commons einen Schritt voraus sind und unseren Zahnbürsten kollektiven Widerstand leisten. Der Vortrag möchte anhand spannender Beispiele aus der Natur aufzeigen, welche Hindernisse für die Evolution kooperativen Verhaltens bestehen und wie diese in vielen Fällen überwunden werden können. Genetische Verwandtschaft spielt dabei eine große Rolle, Kooperation findet aber auch bei etlichen Organismen zwischen nicht verwandten Individuen statt. Oft lässt sich diese Kooperation als ein wechselseitig nutzbringender Austausch von Gütern im weitesten Sinne interpretieren, und es drängt sich der Vergleich mit Märkten auf, wie wir sie aus dem menschlichen Wirtschaftsleben kennen. Es menschelt auch in anderer Hinsicht in der Natur. Selbst manche Bakterien sind in der Lage, die Kooperation ihrer Wirte mit Methoden zu erzwingen, die wir schlicht als Erpressung bezeichnen würden. Wie gesagt, richtig voll war’s im IDÉAL und keiner ist vor dem Ende gegangen. Arndt Telschow vom Inst. Evolution und Biodiversitätmoderierte der WWU moderierte mit Humor, freute sich sichtlich am Auftritt seines Doktorvaters.

 

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Mo, 17. Oktober 2016
„Visualisierung des Unsichtbaren – Von Quantenschwingungen bis zum Periodensystem“
Prof. Dr. Stefan Heusler
Institut für Didaktik der Physik, Münster
und Dipl.-Des. Michael Tewiele
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„Eine Milliarde Euro Förderung der EU für Quantentechnologien“ – diese und ähnliche Schlagzeilen aus jüngster Zeit zeigen deutlich, dass Quantenphysik schon lange keine reine Grundlagenforschung mehr ist. Quantenphysik ist die Basis aktueller Technologien wie etwa dem Laser oder bildgebenden Verfahren der Medizin wie dem MRT, und von Zukunftstechnologie wie etwa dem Quanteninternet. Aber wie kann man sich die Grundideen der Quantenphysik anschaulich machen? Stefan Heusler und Michael Tewiele wagen sich mit immensem gestalterischem Aufwand auf eine Terra ikognita der Unsichtbarkeit – die Quantendimension. Rückversichert durch mathematische und experimentelle Fakten entwickeln sie neuartige Visualisierungen des Unsichtbaren – von Quantenschwingungen bis zum Periodensystem.

Das war die Ankündigung gewesen. Dass IDÉAL war voll bis auf den letzten Stuhl. Dann zeigte Stefan Heusler ein Feuerwerk – sekundiert von Micheal Tewiele, der u. a.  aus dem Stand die Vorab-Vorstellungen der Zuschauer auf das Flip Chart zauberte: Wie kann man sich ein Atom vorstellen? Schließlich wurden in bewegten Bildern Modelle von Erscheinungen bzw. Zuständen von Atomen entworfen, die dem Schüler wie dem Fachmann neue Zugänge bzw. Denkmöglichkeiten in der Quantenphysik öffnen helfen. Die Software soll denn auch, wenn sie fertig ist, in der Schule eingesetzt werden.

 

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18. Juli 2016, Prof. Dr. Gerold Alsmeyer, Institut für Mathematische Statistik, WWU-Münster

„Zu Fällen des Zufalls aus Sicht der Mathematik. Ein vergnüglicher Streifzug.“

“In Shuffling Cards, 7 Is The Winning Number”. Mit dieser Schlagzeile schaffte es der amerikanische Mathematiker und seinerzeitige Harvard-Professor Persi Diaconis am 9.1.1990 auf die Titelseite der New York Times. Was sich hinter ihr verbirgt und warum sie seinerzeit so viel Beachtung erfuhr, nicht zuletzt in den Casinos von Las Vegas, soll in diesem Vortrag erläutert werden. Die Wahrscheinlichkeitstheorie gilt auch heute noch vielen als mysteriöses Teilgebiet der Mathematik, was vermutlich daran liegt, dass eine ganze Reihe ihrer Gesetze der eigenen Intuition widersprechen, zumindest auf den ersten Blick. Hierzu zählt auch das Arcussinusgesetz, das, wie wir sehen werden, eine erstaunliche Facette von fairen Spielsituationen zu Tage fördert. Zum Ende des Vortrags werde ich einen stochastischen Kartentrick vorstellen, den jeder zu Hause durchführen kann, und erklären, warum dieser nur fast immer funktioniert und was er mit einem deutschen Literaturnobelpreisträger zu tun hat.

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20. Juni 2016, Dr. Marcus Hartmann (Cilian AG Münster)

Entwicklung eines Impfstoffes aus Einzellern gegen Grippe – ein möglicher Paradigmenwechsel bei Impfstoffen gegen Viren.

Marcus Hartmann hat die Entwicklung eines neuartigen Grippe-Impfstoff vorgestellt, der sich zur Zeit in der präklinischen Entwicklung befindet. Seine Mitarbeiter in der CILIAN AG verwenden dazu so genannte Ciliaten (Wimpertierchen). Die Grundlagen für diese Arbeiten wurden an der Uni Münster gelegt, damals in der AG von Prof. Arno Tiedtke. Die Einzeller können gefahrlos und schnell benötigte Impfstoff-Komponenten in großen Mengen herstellen. So wie jetzt ein Grippe-Impfstoff entwickelt wird, könnten auch Impfstoffe gegen andere Viruskrankheiten wie Ebola oder Zika gewonnen werden. Marcus Hartmann stellte den Einsatz modernster molekularbiologischer, gentechnischer und verfahrenstechnischer Methoden vor. Die Zuhörer waren fasziniert vom Vortrag und konnten nur zustimmen, dass sich der große Aufwand der Entwicklungsarbeit und die jahrelange Hartnäckigkeit offenbar gelohnt haben.

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9. Mai 2016, Prof. Dr. W. Härdtle

„Klimawandel und Nährstoffeinträge als weltweite Ursache des Artensterbens“

Humorvoll, dabei auch ernst mahnend hat Werner Härdtle die Bedeutung des immensen Stickstoffeintrags auf das Artensterben dargestellt. Er hat klar gemacht, dass wir die vielen Arten brauchen, hat aufgezeigt, was Vergrasung und andere Veränderungen für Wirkungen haben. Problematisch, dass die Erderwärmung und weitere Faktoren, besonders eben auch der immense menschen-gemachte Stickstoffeintrag, synergistisch wirken – manchmal allerdings auch antagonistisch, ein komplexes Wirkgefüge. Näheres findet man natürlich über seine Homepage an der Uni Lüneburg, Institut für Ökologie, bzw. in seinen Publikationen  .. .

Einen Mitschnitt seines Science-Pub-Vortrags am 9. Mai gibt es auf YouTube (unter Härdtle, Science-Pub-Münster)