Der Science-Pub-Münster – Neues aus der Wissenschaft, Medizin oder Technik  genießen – bei einem Glas Wein oder Bier, bei Tapas oder anderen Köstlichkeiten.

Kurzer Bericht zum

Science-Pub-Münster am Montag, 18. Juni

Voll war das IDÉAL mal wieder, die Stimmung gut trotz Regen, der Vortrag interessant und spannend.

Claudia Fricke begrüßt die Runde und stellt den Referenten vor. Weit herum gekommen, nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten gelehrt und geforscht. Wir haben wieder einen echten Experten da, einen Crack auf seinem Gebiet, einen führenden Myrmekologen und Evolutionsbiologen. Heute im IDÈAL ist er „zum Anfassen“.

Sein Thema „Moderne Verhaltensgenetik – Von der Ameise zum Menschen“ verspricht neue Einblicke darin, ob und wie Verhalten vererbt wird. Das Prinzip erklärt er schnell, trotz der komplexen Zusammenhänge. Immer spielt auch die Umwelt des Individuums eine Rolle, betont er. So entwickeln sich z.B. aus zwei winzigen Ameisenlarven – genetisch gleichen Schwestern – entweder eine kleine Arbeiterin oder eine mächtige Königin, über hundertmal größer als ihre Schwester, die flinke Arbeiterin. Den Unterschied macht ihre Ernährung während der Entwicklung aus und wie sie von den Pflegerinnen versorgt wird. Beide haben die genetische Ausstattung für eine Arbeiterin wie für eine Königin – ihr Schicksal wurde von den Pflege-Arbeiterinnen bestimmt.

Auch beim Menschen wirken die Gene auf dem Hintergrund der Umgebung – der gegebenen Kondition des Individuums wie der Umwelt. Auch beim Menschen haben Ernährung, das Verhalten der Bezugspersonen und andere Faktoren wichtige Funktionen bei der Ausprägung der Gene.

Prof. Gadau erklärt genetische und andere Methoden, gibt Einblicke in die Forschungsansätze, erklärt, warum Ameisen eben geeignetere Versuchsorganismen sind als höhere Säugetiere, besonders natürlich als der Mensch. Auch bei den Ameisen gibts, klar, Verhaltensunterschiede, die zunächst rätselhaft scheinen. Warum sind z.B. Königinnen der californischen Ernteameise (Pogonomyrmex californica) meist aggressiv (gegen andere Königinnen), in manchen Fällen verhalten sie sich aber kooperativ zueinander? In letzteren Fällen kann es viele Königinnen in einer Kolonie geben, sogar Nicht-Verwandte. Auch hier können (regionale) Umwelteinflüsse die Erklärung geben. Für mehr Information sei auf die Arbeiten der Gruppe von Jürgen Gadau verwiesen (s. die Homepage des Instituts für Evolution und der WWU). Viel Applaus zum Schluss und kleine Gruppen haben noch lange weiter diskutiert.

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Das war der Ankündigungstext:

Moderne Verhaltensgenetik – Von der Ameise zum Menschen

Prof. Dr. Jürgen Gadau

Institut für Evolution und Biodiversität, WWU Münster

Jürgen Gadau untersucht mit seiner Gruppe u.a. die ökologische Rolle und die Vererbung des Verhaltens von Ameisen und anderen Insekten. Die Verhaltensbiologie (einschließlich menschliches Verhalten) hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Prof. Gadau wird an Beispielen von Agression und Kooperation aufzeigen, was wir über die genetischen und epigenetischen Grundlagen von Verhalten in den letzten Jahrzehnten gelernt haben. Als Evolutionsbiologie, Molekulargenetiker und nicht zuletzt auch Myrmekologe (Ameisenexperte) ist Jürgen Gadau im Labor ebenso zu Hause wie in der Natur, etwas beim Studium von Insekten in den Wüsten von Arizona. Ein spannender Vortrag erwartet die Zuhörer im Science Pub.

Die Moderation übernimmt Dr. Claudia Fricke, Heisenberg Fellow, IEB, WWU-Münster

                Im Café IDÉAL            (Münster, Beginengasse)

                                     open 18:00 h

                        klar:          EINTRITT FREI !

. . ..  und nach dem Vortrag gibt es genug Gelegenheit mit dem Referenten reden.